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EDITORIAL | ||
So wie Amerika ist heute auch Europa eine neue Welt. Eine Welt, die sich in den letzten Jahrzehnten strukturell, aber auch in ihren Auffassungen geändert hat. Europa ist heute Migrationsland und Bestimmungsort. Ein Platz zum Sein. Neu für die, die kommen, aber auch verändert für die, die schon immer hier leben. Die heutige Generation wächst in eine Welt hinein, in der fast alle Lebenskonzepte möglich sind. Diese Veränderungen können irritieren, viel mehr bieten sie aber eine Chance für alle, ein freies selbstbestimmtes Leben zu führen. Aber wie helfen wir unseren Kindern, ihren eigenen Weg in dieser neuen Welt zu finden? Wie lassen sich Erklärungen finden angesichts dessen, dass die-se neue Welt eine Essenz aus Fremdheit ist? Um eine Definition für Fremde zu finden, macht es keinen Sinn in einem Wörterbuch zu blättern. Eine Klärung dieses Begriffes findet man nur in sich selbst. Es ist unsere Position gegenüber Fremd-heit, die das Wort mit Inhalt füllt. Oder anders gesagt: Der Begriff erschließt sich durch die Art, wie man damit umgeht. Der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun versuchte in seinem Buch "Papa, was ist ein Fremder" zu erklären, dass Fremdheit oft gepaart ist mit Angst, Unwissenheit und Dummheit. Darin sieht er die Grund-lagen von Rassismus und Gewalt. Der einzige Weg diesen langfristig zu begegnen, ist Erziehung. Der Autor lässt jedoch offen, welche Art von Erziehung er meint. Die Gesellschaft in der wir leben, ist wie ein Klassenraum, ein Raum in dem täglich unterschiedlichste Persönlichkeiten, Kulturen, Interessen, Auffassungen usw. aufeinandertreffen. In diesem Raum gibt es täglich Neues zu entdecken, gilt es aber auch Altem auf neue Weise zu begegnen. klasse - Das Magazin für anderes Lernen wurde von Künstlern entwickelt, die an jeden einzelnen Menschen in diesem Klassenraum glauben. Sie haben die Möglichkeit durch ihre Außenperspektive, aber auch durch ihre Sicht als Künstler, Probleme anders zu erkennen. Gleichzeitig bekommen sie durch ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen täglich Einblicke in das Innere unseres Erziehungssystems. Aus dieser Zwitterposition heraus haben sie erfahren, dass Lernen nicht unbedingt nur durch reines Erkennen geprägt ist, sondern dass es auf ganz unterschiedlichen Ebenen stattfindet. Eine Form des Lernens soll in diesem Heft vorgestellt werden - Learning by Feeling. Lernen, indem man sich selbst spürt und eine Sensibilität für den Anderen entwickelt. Ein Lernen, das die Sinne öffnet, das die Individualität unterstützt, aber gerade darüber ein kreatives und verständnisvolles Miteinander fördert. klasse - Das Magazin für anderes Lernen ist voll von unterschiedlichen Erfahrungen und Konzepten im Umgang mit Fremdheit. Es will Horizonte eröffnen, Diskussionen anregen und Erfahrungen weiterreichen. klasse sieht sich als eine Tür zu dem Klassenraum, in dem wir alle leben. In diesem Sinne soll sich das Magazin zu einer Plattform des Meinungs- und Gedankenaustauschs entwickeln und Men-schen zusammenführen. Für klasse ist es deshalb wichtig, seine Leser nicht allein in ihrer Profession als Lehrer, Erzieher oder Sozialarbeiter an Schulen, sondern als ganzheitliche Menschen anzusprechen und diesen ebenso Lebensfreude, Spaß und auch ein Stück Idealismus als bedeutende Elemente unseres Lebens und Triebfedern unseres Handels zu vermitteln. Lassen Sie uns also gemeinsam neue Wege beschreiten, denn anderes Lernen fängt bei uns selbst an.
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